maak.fischer

diplom medienberater

Sommersemester 2004

Auszug aus dem kommentierten Vorlesungsverzeichnis der Medienberatung

LV: 0134L048

SE: Medium Ausstellung

Im Internet existieren virtuelle Institutionen, virtuelle Bibliotheken, virtuelle Universitäten. Auch vor Museen und Ausstellungen macht die Virtualität nicht halt. Allerdings geht es dabei meistens um den Internetauftritt eines Museums, das seine Ausstellung im Netz ankündigt und vorstellt.

Die in diesem Seminar zu gestaltende Internet-Ausstellung hat kein reales Pendant. Daher bedeutet sie Freiheit im konzeptionellen Prozess und verlangt gleichzeitig eine sehr genau durchdachte Verbindung zwischen Realität und Virtualität. Sie wird sich in einem fiktiven Raumkonzept präsentieren, in dem sie ihre Eigenschaft als Medium – nämlich eine Mixtur aus Live- und Speichermedien zu sein – ausschöpfen soll.

Im Rahmen des 2-semestrigen Praxisprojektes wird es darum gehen, in Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten eine ansprechende Mischung aus Text-, Ton- und Bilddokumenten zu erarbeiten und sie für ihren Webauftritt vorzubereiten.

Inhaltlicher Hintergrund ist die Auschwitz-Rezeption seit der Befreiung dieses größten nationalsozialistische Vernichtungslager durch die Rote Armee vor nahezu 60 Jahren. In diesem KZ bei Krakau wurden mehr als eineinhalb Millionen Menschen ermordet, entsprechend ist in den 60 Jahren der Name „Auschwitz“ zum Symbol für die Naziverbrechen insgesamt und zum Synonym für den Völkermord an den europäischen Juden geworden. Höhepunkt dieser Auschwitz-Rezeption war die amerikanischen Familienserie „Holocaust“, mit der der WDR vor 25 Jahren eine neue Phase der Geschichtsdarstellung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen einleitete.

Schon vor der Ausstrahlung wurde „Holocaust“ verrissen. Das Serial verkitsche den deutschen Massenmord an den europäischen Juden, es trivialisiere Auschwitz und sei mit seinen Aufnahmen von zitternden splitternackten Frauen in der Gaskammer Pornographie schlimmster Art. Aber die Gegner blieben eine Minderheit. Fast die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in der BRD (48 %) sah „Holocaust“. Und vier Abende reichten aus, dass westdeutsche Familien sich plötzlich und höchst schmerzhaft ihrer eigenen Geschichte erinnerten, was aber nicht von langer Dauer war. Denn schon zwanzig Jahre später müssen Alphons Silbermann und Manfred Stoffes auf der Grundlage einer repräsentativen gesamtdeutschen Befragung feststellen, dass jeder fünfte Jugendliche nicht mehr weiß, „wer oder was“ Auschwitz war oder ist.

Inwiefern dieser komplexe Rezeptions- und Tradierungsvorgang in dem Medium Ausstellung Ausdruck finden und im virtuellen Raum erfassbar gemacht werden kann, erfahren die Studierenden im Seminar mit Unterstützung eines Ausstellungsprofis. Ferner wird es darum gehen, das Konzept des Web-Auftritts Fachleuten vorzustellen.

Abschließend wird es eine Vernissage geben, zu der sowohl der WDR als auch am TV-Serial direkt Beteiligte geladen werden.

Somit wird das Praxisprojekt den Studierenden einen umfassenden Einblick in die Vermittlung von Inhalten in unterschiedlichen Medien liefern und gleichzeitig einen Eindruck davon vermitteln, was es heißt ein Projekt in der Medienlandschaft, vor Fachleuten und Kollegen zu vertreten.

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